Single Sourcing bis Modular Sourcing: Was versteht man unter all den Beschaffungsstrategien?

Woher bekommen wir die Rohstoffe, die wir für unser Unternehmen benötigen?

Das ist die zentrale Frage der Beschaffungsstrategie, die jedes Unternehmen beantworten muss. Die Möglichkeiten sind zwar sehr unterschiedlich, klingen aber immer recht ähnlich: Single Sourcing, Multiple Sourcing, Global Sourcing – um nur die wichtigsten zu nennen.

Was man darunter versteht und welche Vor- bzw. Nachteile sich daraus ergeben, möchte ich dir an einem konkreten Beispiel erklären.

Unser Beispielunternehmen

Lass uns als Beispiel eine Firma nehmen, die in Deutschland Kühlschränke produziert. Nennen wir sie Pinguin GmbH, weil das Tier auch im Logo des Unternehmens zu finden ist. Zur Herstellung der Geräte braucht das Unternehmen verschiedene Einzelteile wie Kühlstäbe, Gummidichtungen und die Elektronik für die Beleuchtung.

In unserem Beispiel wollen wir uns darauf konzentrieren, woher das Unternehmen seine Kühlstäbe bekommt. Um diesen Bedarf zu decken, stehen der Pinguin GmbH verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.

Single Sourcing: Ein Lieferant für alle Einzelteile

Wenn sich die Pinguin GmbH für das Single Sourcing entscheidet, stammen alle Kühlstäbe von nur einem einzigen Lieferanten. Nennen wir ihn Kühlstäbe OHG. Im besten Fall wird dadurch eine langfristige und stabile Geschäftsbeziehung aufgebaut, die unkomplizierte Bestellungen möglich macht.

Durch den Fokus auf nur einen Lieferanten ergeben sich einige Vorteile. Weil die Pinguin GmbH relativ große Mengen abnimmt, besteht die Chance auf Mengenrabatt und damit günstigere Preise.

Außerdem muss nicht für jede Bestellung ein neuer Lieferant gesucht werden, sondern die Lieferungen können automatisiert werden. Dadurch sinken die Kosten für die Koordination im Einkauf.

Leider bleibt das Single Sourcing nicht ohne Nachteile. Sollte die Kühlstäbe OHG Probleme mit der Lieferung haben, hat die Pinguin GmbH keine Alternativen zur Hand. Es drohen Produktionsausfälle.

Hinzu kommt, dass die Kühlstäbe OHG möglicherweise nicht die niedrigsten Preise auf dem Markt bietet und die Pinguin GmbH unnötig viel Geld im Einkauf ausgibt. Weil sie aber zu sehr auf ihren Lieferanten fokussiert ist, bekommt sie von besseren Angeboten gar nichts mit.

Single Sourcing: Alle Waren kommen von nur einem Lieferanten.

Single Sourcing: Die Waren werden bei nur einem einzigen Lieferanten bezogen.

Multiple Sourcing: Geschickte Verteilung der Bestellungen

Wenn die Pinguin GmbH die Nachteile des Single Sourcing beheben möchte, kann sie künftig auf das sogenannte Multiple Sourcing setzen. Darunter versteht man die Beschaffung eines Rohstoffs von mehreren Lieferanten.

Sie bestellt also nicht nur bei der Kühlstäbe OHG, sondern auch bei der Frost-Zubehör AG und der Arktika AG. Dabei liefern alle drei Unternehmen das gleiche Produkt, nämlich Kühlstäbe.

Die Vorteile des Multiple Sourcing sind nicht zu unterschätzen. Durch die Streuung der Bestellungen wird eine größere Liefersicherheit erreicht. Sollte beispielsweise die Arktika AG Probleme mit der Lieferung haben, kann die Kühlstäbe OHG den Verlust ausgleichen. Auf diese Weise werden Produktionsprobleme verhindert.

Außerdem kann die Pinguin GmbH ihre Bestellungen immer beim Lieferanten mit den günstigsten Preisen aufgeben. Dadurch können die Einkaufskosten gesenkt werden.

Nachteilig ist beim Multiple Sourcing, dass im Einkauf deutlich mehr Aufwand für die Koordination anfällt. Die Mitarbeiter der Pinguin GmbH müssen Kontakt zu mehreren Lieferanten halten und regelmäßig die Preise vergleichen. Außerdem könnte es schwierig werden, Rabatte auszuhandeln, wenn die Pinguin GmbH nur kleine und unregelmäßige Mengen abnimmt.

Beim Multiple Sourcing werden die Waren bei verschiedenen Lieferanten bezogen.

Beim Multiple Sourcing werden die Waren bei verschiedenen Lieferanten bezogen.

Global Sourcing: Weltweite Angebote ausnutzen

Das Global Sourcing hat große Ähnlichkeit zum Multiple Sourcing. Auch hier bezieht die Pinguin GmbH ihre Waren von mehreren Lieferanten – diesmal werden die Waren aber weltweit eingekauft. Während beim Multiple Sourcing nur mit deutschen Lieferanten zusammengearbeitet wird, kommen nun auch amerikanische, asiatische oder europäische Firmen dazu.

Warum ist das sinnvoll? Im Prinzip werden die Vorteile des Multiple Sourcing nochmal verstärkt: im Idealfall lässt sich ein noch günstigerer Einkaufspreis erzielen und auch die Sicherheit gegenüber Lieferausfällen kann weiter erhöht werden.

Allerdings bringt internationaler Handel immer einige Nachteile mit sich. Zum Beispiel ist die Koordination zwischen den Lieferanten und der Pinguin GmbH deutlich schwieriger. Es könnte unter anderem zu Sprachproblemen kommen.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht ist globaler Handel schwierig. Sobald die Lieferung in einer fremden Währung bezahlt werden muss, drohen Wechselkursschwankungen, die den Preis erhöhen können.

Schließlich erhöhen sich auch die Lieferzeiten durch das Global Sourcing. Daher muss die Beschaffung noch präziser geplant werden, um Engpässe zu verhindern.

Das Global Sourcing ähnelt dem Multiple Sourcing, allerdings werden die Waren von internationalen Lieferanten bezogen.

Das Global Sourcing ähnelt dem Multiple Sourcing, allerdings werden die Waren von internationalen Lieferanten bezogen.

Modular Sourcing: Mehr als nur Einzelteile vom Lieferanten

Das Modular Sourcing verfolgt einen etwas anderen Ansatz: Statt Einzelteilen werden ganze Module gekauft, die direkt in das Produkt eingesetzt werden können. Die Pinguin GmbH kauft also nicht nur die Kühlstäbe, sondern gleich die ganze Rückwand des Kühlschranks. Dort sind schon alle Elemente verbaut und werden nur noch mit dem Rest des Produkts verbunden.

Vor allem aus technischer Sicht bringt das Modular Sourcing einige Vorteile. Die Pinguin GmbH kann sich komplett auf die eigenen Kompetenzen konzentrieren und profitiert sogar noch von der Expertise des Zulieferers. Das Verfahren ist zum Beispiel auch in der Autoindustrie sehr weit verbreitet.

Allerdings wird man durch das Modular Sourcing schnell abhängig von den Lieferanten, weil die jeweiligen Module sehr speziell sind. Außerdem wird die Expertise für die einzelnen Module ausgelagert und fehlt dadurch im eigenen Unternehmen.

Beim Modular Sourcing bringen die Lieferanten fertige Module, die in das Endprodukt eingebaut werden.

Beim Modular Sourcing bringen die Lieferanten fertige Module, die in das Endprodukt eingebaut werden.

Weitere Sourcing-Varianten in der Wirtschaft

Die vier Beschaffungsstrategien, die ich dir gerade vorgestellt habe, sind die wichtigsten Sourcing-Konzepte, die du kennen solltest. Allerdings gibt es noch zwei Varianten, die ich kurz erwähnen möchte.

Dual Sourcing:

Das Dual Sourcing steht quasi zwischen dem Single Sourcing und dem Multiple Sourcing. Wie der Name vermuten lässt, wird der gewünschte Rohstoff bei exakt zwei Lieferanten bestellt. Dadurch ergeben sich die gleichen Vor- und Nachteile wie beim Multiple Sourcing, allerdings in etwas schwächerer Form.

Local Sourcing:

Hierbei handelt es sich um das Gegenstück zum Global Sourcing. Statt weltweiter Beschaffung wird auf regionale Lieferanten gesetzt. In technischen Unternehmen wie der Pinguin GmbH wird sich dieses Verfahren selten finden.

Denkbar ist Local Sourcing aber für alle Unternehmen, die Verbundenheit zur Region betonen wollen oder auf lokale Qualität setzen. Das könnte zum Beispiel ein Hersteller von Bio-Lebensmitteln sein, der nur regionale Ware einkauft.

Hast Du noch Fragen?

Nutze gerne die Kommentare, um Unklarheiten zu beseitigen.

3 Kommentare

  1. Seher KorkmaZ

    wie steht’s mit Unit Sourcing und System Sourcing aus

    Antworten
    • Torben

      Die beiden Ausprägungen könnte man natürlich auch noch ergänzen, sie gehören thematisch zum Modular Sourcing.
      In der Kurzfassung: Beim Unit Sourcing werden Einzelteile gekauft, die der Käufer dann selbst weiterverarbeitet. Das System Sourcing geht in die andere Richtung: die gekauften Teile werden noch komplexer und sind bereits funktionsfähige Bestandteile des späteren Endprodukts.

      Viele Grüße
      Torben

      Antworten
  2. Michael Bebber

    Hallo Herr Naujokat,

    wenngleich auch nur ein paar Male – aber diese haben gereicht, Fachwissen zu verstehen und zu vertiefen. Ihre einfach verständlichen und top bebilderten Erläuterungen und Beispiele sind sehr hilfreich – vielen herzlichen Dank dafür.

    Antworten

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