Rentabilitätsrechnung: Wichtige Formeln und Rechenbeispiele

Um den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens in Zahlen auszudrücken, gibt es mittlerweile eine große Bandbreite an betrieblichen Kennzahlen. Eine der wichtigsten und direktesten Werte ist die Rentabilität.

Mit der Rentabilitätsrechnung lässt sich ohne großen Aufwand bestimmen, ob ein Unternehmen gut gewirtschaftet hat und wie sehr das Vermögen vergrößert werden konnte. In diesem Erklärtext erfährst du, welche Ausprägungen der Rentabilität unterschieden werden und wie man sie berechnet.

Perfekt geeignet für den Handelsfachwirt, den Wirtschaftsfachwirt und alle IHK-Weiterbildungen mit dem Abschnitt „Wirtschaftsbezogene Qualifikationen“.

Was bedeutet Rentabilität?

Grundsätzlich sagt die Rentabilität aus, um wie viel Prozent sich mein eingesetztes Kapital im Laufe der Zeit verändert hat.

Ganz einfach ausgedrückt: Wenn ich Geld in ein Unternehmen investiere, hoffe ich, nach einer gewissen Zeit mehr Geld als vorher zu besitzen. Je größer die Steigerung, desto besser.

Diese Veränderung des Vermögens entspricht der Rentabilität. Man kann sie auch als Rendite oder Verzinsung des Kapitals bezeichnen.

Wichtig ist dabei, dass die Rentabilität immer in Prozent ausgedrückt wird, weil absolute Zahlen nicht so aussagekräftig wären. Man erzielt beispielsweise eine Rentabilität von 20%, nicht von 100.000 Euro.

Im besten Fall ergibt die Rentabilitätsrechnung einen positiven Wert – nach oben gibt es keine Grenzen. Sie kann aber auch in den Minusbereich rutschen, wenn das Unternehmen starke Verluste macht. Wenn ich beispielsweise eine Rendite von –100% erziele, dann ist das gesamte Geld weg. Im allerschlimmsten Fall ergibt sich sogar ein Wert unterhalb von –100%. Dann wurden zusätzliche Schulden gemacht, für die ich haften muss.

Innerhalb der Rentabilitätsrechnung gibt es vier Ausprägungen der Rendite: die Eigenkapitalrentabilität, die Fremdkapitalrentabilität, die Gesamtkapitalrentabilität und die Umsatzrentabilität.

Diese vier Varianten wollen wir uns etwas genauer anschauen.


Eigenkapitalrentabilität berechnen

Wenn du dir den Aufbau einer Bilanz vor Augen führst, wirst du zwangsläufig über die Aufteilung des Vermögens in Eigenkapital und Fremdkapital stolpern (Passivseite der Bilanz).

Zum Eigenkapital gehören beispielsweise das gezeichnete Kapital oder die Rücklagen, zum Fremdkapital etwa Darlehen oder Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (siehe §266 HGB).

Wie der Name schon verrät, geht es bei der Eigenkapitalrentabilität ausschließlich um das Eigenkapital. Es soll ausgerechnet werden, um wie viel Prozent das eigene Kapital vergrößert werden konnte – oder ob es weniger geworden ist.

Dazu wird das Jahresergebnis eines Unternehmens (also Gewinn oder Verlust) ins Verhältnis zum Eigenkapital gesetzt.

Die mathematische Formel dafür lautet:

Eigenkapitalrentabilität = Jahresergebnis ÷ Eigenkapital × 100

Die „100“ in der Formel wird benötigt, damit der Wert direkt als Prozentzahl ausgedrückt wird.

Rechenbeispiel für die Eigenkapitalrentabilität

Stellen wir uns folgende Aufgabe zur Rentabilitätsrechnung vor: Ein Stahlproduzent konnte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 380.000 Euro erzielen. In der Bilanz finden sich 1,5 Millionen Euro Eigenkapital und 1 Million Euro Fremdkapital. Wie hoch ist die Eigenkapitalrentabilität?

Zur Lösung der Aufgabe reichen die vorgegebenen Zahlen völlig aus. Sie können direkt in die Formel eingesetzt werden, wobei wir die Höhe des Fremdkapitals gar nicht brauchen:

Eigenkapitalrentabilität = 380.000 ÷ 1.500.000 × 100 = 25,33 %

Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr also eine Eigenkapitalrendite von 25,33% erwirtschaftet.


Fremdkapitalrentabilität: Definition und Berechnung

Parallel zur Eigenkapitalrendite kann mit der Rentabilitätsrechnung auch geprüft werden, wie sich die Höhe des Fremdkapitals verändert hat. Hier ist beim Verständnis allerdings etwas Vorsicht geboten, denn es wird ein Perspektivenwechsel notwendig.

Die Fremdkapitalrentabilität bezeichnet keine Vermögenssteigerung für das Unternehmen, sondern die durchschnittliche Höhe der Zinsen, die für das geliehene Fremdkapital bezahlt werden müssen.

Wenn also das Fremdkapital eine positive Rentabilität erzielt, hat sich nicht das Vermögen des Unternehmens erhöht, sondern das der Geldgeber (z.B. Banken oder private Gläubiger).

Für das Unternehmen ist eine hohe Fremdkapitalrentabilität gleichbedeutend mit hohen Zinskosten.

Man berechnet die Fremdkapitalrentabilität mit folgender Formel:

Fremdkapitalrentabilität = Fremdkapitalzinsen ÷ Fremdkapital × 100

Vorsicht, die Fremdkapitalzinsen werden als Geldsumme angegeben (z.B. 100.000 Euro), nicht als Zinssatz! Die „100“ in der Formel dient wieder dazu, dass das Ergebnis eine Prozentzahl darstellt.

Rechenbeispiel für die Fremdkapitalrentabilität

In der Bilanz eines Reifenherstellers finden sich 300.000 Euro Eigenkapital und 150.000 Euro Fremdkapital. Das Unternehmen erzielt einen Gewinn von 75.000 Euro und muss insgesamt Zinsen in Höhe von 25.000 Euro bezahlen.

Um daraus die Fremdkapitalrentabilität zu berechnen, muss man sich „nur“ die richtigen Zahlen herauspicken. Gewinn und Eigenkapital sind unwichtig; interessant sind die Zinskosten und das Fremdkapital. Anhand der obigen Formel ergibt sich dann:

Fremdkapitalrentabilität = 25.000 ÷ 150.000 × 100 = 16,67%

Die Geldgeber erzielen also durchschnittlich (!) eine Verzinsung von 16,67%.

Das „durchschnittlich“ ist entscheidend, weil ein Unternehmen meist mehrere Kredite aufgenommen hat und die einzelnen Gläubiger unterschiedliche Zinssätze verlangen. Es könnte also sein, dass eine Bank 18% Zinsen bekommt, ein anderer Geldgeber nur 12%.


Gesamtkapitalrentabilität berechnen

Um den Erfolg des gesamten Unternehmens zu betrachten, bietet die Rentabilitätsrechnung noch eine weitere Kennzahl: die Gesamtkapitalrentabilität. Hierbei wird das gesamte eingesetzte Kapital (Eigen- und Fremdkapital) ins Verhältnis zu allen Vermögenssteigerungen (Jahresergebnis und Fremdkapitalzinsen) gesetzt.

Dadurch wird dargestellt, wie erfolgreich das Gesamtkapital eingesetzt wurde und ob das Vermögen aller Beteiligten erhöht werden konnte.

Die mathematische Formel für diese Form der Rentabilitätsrechnung lautet:

Gesamtkapitalrentabilität = (Jahresergebnis + Fremdkapitalzinsen) ÷ Gesamtkapital × 100

Beispielrechnung für die Gesamtkapitalrendite

Schauen wir uns als Beispiel nochmal den Reifenhersteller an. Über das Unternehmen stehen uns folgende Informationen zur Verfügung:

  • Eigenkapital: 300.000 Euro
  • Fremdkapital: 150.000 Euro
  • Jahresergebnis: 75.000 Euro
  • Fremdkapitalzinsen: 25.000 Euro

Aus der Summe von Fremdkapital und Eigenkapital ergibt sich das Gesamtkapital in Höhe von 450.000 Euro. Anschließend können wir unsere Standardformel nutzen:

Gesamtkapitalrentabilität = (75.000 + 25.000) ÷ 450.000 × 100 = 22,22%

Das gesamte Kapital des Unternehmens konnte also zu 22,22% verzinst werden.


Umsatzrentabilität: Definition und Rechenbeispiel

Die letzte Kennzahl aus der Rentabilitätsrechnung ist die sogenannte Umsatzrentabilität. Im Vergleich zu den anderen drei Werten fällt sie ein wenig aus der Reihe.

Zwar wird auch hier das Jahresergebnis als Wert für den Erfolg genutzt, allerdings wird er nicht mit dem eingesetzten Kapital ins Verhältnis gesetzt. Stattdessen wird der Umsatz als Bezugsgröße genommen.

Mathematisch ergibt das folgende Formel:

Umsatzrentabilität = Jahresergebnis ÷ Umsatz × 100

Die Umsatzrentabilität zeigt an, welcher Teil des Umsatzes als Gewinn übrig bleibt. Der Rest des Umsatzes wurde entsprechend für fixe und variable Kosten eingesetzt.

Da jedes Unternehmen möglichst hohe Gewinne erzielen will, gilt auch hier: Je höher die Rentabilität, desto besser.

Rechenbeispiel für die Umsatzrentabilität

Auch dazu ein kurzes Beispiel. Aus der Gewinn- und Verlustrechnung eines Möbelhauses lassen sich folgende Informationen ablesen: Das Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 125.000 Euro. Demgegenüber steht ein Umsatz in Höhe von 2.500.000 Euro.

Mehr Daten braucht es für die Berechnung der Umsatzrentabilität nicht. Wir können die Zahlen einfach in die obige Formel einsetzen:

Umsatzrentabilität = 125.000 Euro ÷ 2.500.000 Euro × 100 = 5%

Das Ergebnis zeigt uns, dass 5% des Umsatzes als Gewinn übrig bleiben. Die restlichen 95% sind für unterschiedlichste Kosten benötigt worden.

Hast Du noch Fragen?

Nutze gerne die Kommentare, um Unklarheiten zu beseitigen.

7 Kommentare

  1. Michael Bettenhausen

    Hallo, ich habe eine Frage , ich muss für eine geplante Investitionen herausfinden welche Finanzierung in frage kommt und soll dies mit bilanzkennzahlen verdeutlichen. Können sie mir bitte dabei helfen?

    Antworten
  2. Kev

    Klasse erklärt und einfach strukturiert!!

    Danke.

    Mir wäre persönlich noch mehr Beispiele wichtig, jedoch ist das nur meine kleine Meinung.

    Weiter so!

    Antworten
  3. Öznur

    Super erklärt !!!!!
    Viel besser als in den Schulen
    Hab alles verstanden !!!!

    Antworten
  4. Kern Barbara

    Da die Rentabilität die Veränderung bzw. Verzinsungefähr des eingesetzten Kapitals berechnet bzw. angibt, muss doch als Basis das Eigenkapital (Eigenkapitalrentabilität) bzw. das Gesamtkapital (Gesamtkapitalrentabilität) zu Beginn der Periode herangezogen werden und nicht das am Ende der Periode, nicht wahr? Oder irre ich mich?

    Antworten
    • Torben

      Nicht ganz… ;-) Grundsätzlich hast du völlig Recht, dass sich eine Rendite auf den Anfangswert bezieht und wie er sich im Laufe der Zeit verändert hat. Das ist zum Beispiel bei einer Aktie oder einer Investition der Fall.

      Wenn wir uns eine Bilanz anschauen, sieht es aber etwas anders aus. Da sich das Eigenkapital im Laufe des Jahres ändern kann, verändert sich auch die Bezugsgröße. Beispielsweise könnte ich im Juli das Eigenkapital erhöhen und hätte immer noch 6 Monate Zeit, daraus eine Rendite zu erwirtschaften. Wenn ich die Rendite-Rechnung später nur auf den (niedrigeren) Anfangswert beziehe, wäre meine Rendite zu hoch.

      Die Lösung: Im besten Fall würdest du das durchschnittliche Eigenkapital nehmen, also (Anfangswert + Endwert)/2. Damit würde man der Wahrheit am nächsten kommen. Dazu brauchst du allerdings die Anfangs- und die Endbilanz, was nicht immer gegeben ist.

      In vielen Prüfungsaufgaben der IHK steht dir nur die Abschlussbilanz mit dem dazugehörigen Jahresüberschuss zur Verfügung. Dann kannst du deine Rendite problemlos auf das Eigenkapital am Ende des Jahres beziehen. Dann gibt es natürlich immer noch eine Verzerrung, aber die Aufgabe ist richtig gelöst.

      Ich hoffe, ich konnte Dir weiterhelfen. Viele Grüße
      Torben

      Antworten
      • Barbara

        Ja danke. Das hilft mir schon weiter.
        Die Frage ist deshalb aufgekommen, weil in einigen Lehrbüchern darauf hingewiesen wird, dass das “alte” EK bei der EK-RENTABILITÄT zugrunde gelegt werden muss, ein entsprechender Hinweis aber für das Gesamtkapital fehlt.

      • Tirra

        Wie kann ich die Umsatzrentabilität und den Kapitalumschlag mit folgenden Daten berechnen.

        Umsatz 100 , Kosten 25, Eigenkapital 25 und Fremdkapital 15?
        Jahresüberschuss: Umsatz-Kosten= 75= 7500%?

        Bei der Umsatzrentabilität müsste ich doch:

        75×100/100 rechnen?

        Wäre 75 Euro auch bei der Umsatzrentabilität zu erwarten?

        Zum Kapitalumschlag wäre die Rechnung Umsatz/Gesamtumsatz

        100/40=2,5?

        Stimmt das?

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