Welche Themen erwarten mich beim IHK-Wirtschaftsfachwirt? Wie umfangreich ist die Weiterbildung insgesamt? Welche Inhalte muss ich für die Abschlussprüfung beherrschen?

Mit diesen Fragen sieht sich jeder Interessent an einer IHK-Weiterbildung früher oder später konfrontiert. Um dir einen ersten Überblick zu verschaffen, habe ich alle Inhalte aufgelistet, die du für eine erfolgreiche Prüfung zum Wirtschaftsfachwirt (IHK) beherrschen musst. Die Zusammenfassung basiert auf dem offiziellen IHK-Rahmenplan, den du dir unbedingt kaufen solltest, sobald du in die Weiterbildung zum Wirtschaftsfachwirt startest.

Eins vorweg: Der Wirtschaftsfachwirt (IHK) wird nicht ohne Grund als Allrounder unter den Fachwirten bezeichnet. Die Weiterbildung bringt ein breites Spektrum an Inhalten mit sich, die in der Prüfung abgefragt werden (können). Insgesamt erwarten dich die folgenden neun Themenbereiche.

Wirtschaftsbezogene Qualifikationen

Der erste Prüfungsteil zum Wirtschaftsfachwirt (IHK) sind die sogenannten Wirtschaftsbezogenen Qualifikationen. Er bildet die inhaltliche Basis und wird daher auch in anderen Fachwirten vorausgesetzt, zum Beispiel beim Technischen Fachwirt, Industriefachwirt, Veranstaltungsfachwirt, Restaurantmeister oder Küchenmeister. Er umfasst vier Themengebiete, die offiziell als Qualifikationsbereiche bezeichnet werden.

Volks- und Betriebswirtschaft

Für den ersten Qualifikationsbereich benötigst du einerseits Grundlagenwissen aus der Volkswirtschaftslehre (VWL). Dazu gehören beim Wirtschaftsfachwirt (IHK) folgende Themenkomplexe:

  • Markt und Preisbildung:
    Wie ist ein (vollkommener) Markt aufgebaut? Welche Einflussfaktoren sind zu beachten? Wie verändern sich Angebot und Nachfrage?
  • Eingriffe des Staates:
    Was macht der Staat (oder andere Institutionen), um den Markt zu beeinflussen? Welche Auswirkungen haben etwa Steuern und Subventionen? Welche verschiedenen Politikansätze kommen dabei zum Einsatz (z. B. Wettbewerbspolitik, Stabilitätspolitik oder Arbeitsmarktpolitik)?
  • Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung:
    Wie wird die Wirtschaftsleistung eines Landes gemessen? Welche Folgen hat das für den Wohlstand der Bevölkerung?
  • Außenwirtschaft:
    Wie sind internationale, wirtschaftliche Entwicklungen zu bewerten (Stichwort: Globalisierung)? Welche Rolle spielt die Europäische Union für die deutsche Wirtschaft?

Andererseits werden in dieser ersten Prüfung einige Grundlagen aus der Betriebswirtschaftslehre (BWL) abgefragt. Dabei werden verschiedene Unternehmensbereiche wie Produktion, Logistik, Marketing, Rechnungswesen etc. kurz angerissen. Diese tendenziell oberflächlichen Inhalte werden in weiteren Prüfungsteilen vertieft (siehe unten).

Darüber hinaus umfasst der BWL-Teil zwei weitere Inhalte, die regelmäßig abgefragt werden:

  • Gründung eines Unternehmens inklusive der Auswahl einer passenden Rechtsform
  • Kooperationen zwischen Unternehmen (verschiedene Ausprägungen und deren Bewertung)

Rechnungswesen

Im zweiten Qualifikationsbereich der Wirtschaftsbezogenen Qualifikationen werden die Inhalte deutlich zahlenlastiger und du musst in vielen Aufgaben konkrete Rechnungen durchführen. Dabei werden vier Bereiche abgedeckt:

  • Finanzbuchhaltung:
    Dazu gehören etwa der Aufbau einer Bilanz, die Gewinn- und Verlustrechnung oder die verschiedenen Ausprägungen der Buchführungspflicht in Deutschland.
  • Kosten- und Leistungsrechnung:
    Hier wird besonders viel gerechnet. Du befasst dich mit unterschiedlichen Verfahren der Kosten- und Preiskalkulation, mit der gängigen Einteilung in Kostenarten, -stellen und -träger und mit den Grundlagen der Deckungsbeitragsrechnung.
  • Betriebswirtschaftliche Kennzahlen:
    Auch hier sind deine mathematischen Fähigkeiten gefragt, wenn es um die Ermittlung der Kennzahlen im Betrieb geht. Den Schwerpunkt bilden die Arten der Rentabilität.
  • Planungsrechnung:
    Zu guter Letzt wird Basiswissen in der Planungsrechnung von dir verlangt.

Recht und Steuern

Darüber hinaus umfasst der Wirtschaftsfachwirt einen anspruchsvollen Prüfungsteil, der sich mit rechtlichen Fragen und Steuerfragen befasst. Dabei liegt der Fokus auf Rechtsgebieten, die im unternehmerischen Alltag relevant sind. Dazu gehören insbesondere:

  • Grundlagen aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB)
  • Grundlagen aus dem Handelsgesetzbuch (HGB), z. B. die Kaufmannseigenschaft, das Handelsregister oder die Prokura
  • Verschiedene Arten von Verträgen, z. B. Miete, Pacht und Werkverträge
  • Ausführliche Anwendungsfälle rund um den Kaufvertrag, z. B. das Zustandekommen, den Verkauf an Minderjährige, Liefermängel, Rücktritt vom Vertrag und Schadenersatz.
  • Arbeitsrechtliche Inhalte wie Arbeitsvertrag, Arbeitszeiten, Kündigung, Kündigungsschutz etc.

Außerdem beinhaltet die Prüfung zu 40 Prozent Fragen aus dem Steuerrecht. Sie beziehen sich auf Steuern aus dem betrieblichen Alltag, etwa Einkommenssteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer.

Unternehmensführung

Der vierte und letzte Qualifikationsbereich beschäftigt sich mit verschiedenen Inhalten aus dem Bereich der Unternehmensführung. Das breite Spektrum lässt sich laut Rahmenplan in drei Kategorien einteilen:

  • Betriebsorganisation:
    Dazu gehören vor allem die strategische und operative Planung innerhalb des Betriebs, die Aufbauorganisation sowie betriebliche Prozesse inklusive ihrer Analyse und Optimierung.
  • Personalführung:
    Darunter fallen die verschiedenen Arten und Stile der Führung, sowohl gegenüber einzelnen Mitarbeitern als auch innerhalb von (Projekt-)Gruppen. Außerdem geht es um die Planung und geeignete Besetzung von freien Stellen.
  • Personalentwicklung:
    Die Inhalte dieser Kategorie beginnen mit der beruflichen Ausbildung und gehen weiter mit verschiedenen Fortbildungen innerhalb und außerhalb des Betriebs. Dabei sind stets die unternehmerischen Ziele und Kosten zu berücksichtigen.

Mit diesen Inhalten aus allen vier Qualifikationsbereichen sind die Wirtschaftsbezogenen Qualifikationen „schon“ geschafft und der erste Schritt zum Wirtschaftsfachwirt ist gemacht. Im zweiten Prüfungsteil erwarten dich noch fünf weitere Themenbereiche mit zahlreichen Inhalten.

Basiswissen zu den Wirtschaftsbezogenen Qualifikationen IHK

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Handlungsspezifische Qualifikationen

Der zweite Prüfungsteil, die Handlungsspezifischen Qualifikationen, sind ausschließlich für den IHK-Wirtschaftsfachwirt relevant. Die anderen, oben genannten Fachwirte haben entsprechend eigene Inhalte. Beim Wirtschaftsfachwirt werden fünf sogenannte Handlungsbereiche in einer zweitägigen Prüfung abgefragt. Alle Aufgaben beziehen sich auf ein fiktives Unternehmen und sind möglichst praxisbezogen. Zu den relevanten Inhalten gehören folgende Bereiche:

Betriebliches Management

Der erste Handlungsbereich der Handlungsspezifischen Qualifikationen vertieft einerseits eine Reihe von Themen, die bereits in „Unternehmensführung“ behandelt wurden. Dazu gehören:

  • Betriebliche Planungsprozesse:
    An dieser Stelle dreht sich alles um die Ziele des Unternehmens und die konkrete Planung, um erfolgreich zu sein. Dich erwarten praktische Analysen der Marktsituation, die Bewertung relevanter Kennzahlen und die Ableitung von Handlungsempfehlungen.
  • Organisations- und Personalentwicklung:
    Neben den Themen, die du schon aus der „Unternehmensführung“ kennst, erwarten dich insbesondere Fragen rund um die Anpassung von Unternehmensstrukturen und die gezielte Personalentwicklung im Einklang mit betrieblichen Zielen.

Andererseits führt der Bereich „Betriebliches Management“ weitere Inhalte ein, die für die Steuerung eines Unternehmens von Bedeutung sind. Sie lassen sich einteilen in:

  • Wissens- und Informationsmanagement:
    Hier werden Wege und Maßnahmen entwickelt, um die Sicherung und Weitergabe von Informationen sowie fachlicher Kompetenz innerhalb des Betriebs zu gewährleisten.
  • Managementtechniken:
    Dabei werden verschiedenste Inhalte angeschnitten, insbesondere Zeit- und Selbstmanagement, Kreativitätstechniken, Entscheidungsansätze und Kommunikation mit Mitarbeitern.

Investition, Finanzierung, betriebliches Rechnungswesen und Controlling

In diesem Handlungsbereich verrät schon der Name relativ genau, welche Inhalte auf dich zukommen. Dabei solltest du grundsätzlich wissen: Bei vielen Prüfungsaufgaben wird es sich um konkrete Rechnungen handeln, mit denen du verschiedene Kennzahlen ermitteln sollst. Hier sind die wichtigsten Themenbereiche im Überblick:

  • Investitionsrechnung:
    Sie teilt sich in die statische Investitionsrechnung, zu der vor allem der Kosten-, Gewinn-, Rentabilitätsvergleich sowie die Amortisationsrechnung gehören, und die dynamische Investitionsrechnung, in der du primär den Kapitalwert, die Annuität oder den internen Zinsfuß ausrechnen musst.
  • Finanzierung:
    Hier wird das Management von Kapital und Liquidität behandelt, indem etwa verschiedene Arten der Finanzierung zu bewerten sind, Kennzahlen der Liquidität berechnet werden oder die Sicherheiten für einen Kredit darzustellen sind.
  • Kosten- und Leistungsrechnung:
    Die Kosten- und Leistungsrechnung kennst du grundsätzlich schon aus den Wirtschaftsbezogenen Qualifikationen, doch hier kommt nochmal eine Vertiefung. Dich erwarten zusätzlich etwa die mehrstufige oder relative Deckungsbeitragsrechnung sowie die Plankostenrechnung.
  • Controlling:
    Im letzten Abschnitt wird nicht mehr gerechnet, sondern beurteilt. Konkret sind die zahlreichen Instrumente im Controlling und deren Einsatz in der Praxis darzustellen.

Logistik

Weiter geht der wilde Themenritt des Wirtschaftsfachwirts durch die Logistik, wobei die Inhalte auch hier breiter aufgestellt sind, als es der Name des Handlungsbereichs vermuten lässt. Darunter fallen folgende Themen:

  • Einkauf und Beschaffung:
    Du bist gefordert, die Prozesse im Wareneinkauf (inklusive Lieferung) anhand der Ziele des Betriebs zu optimieren. Dazu gehören beispielsweise die Anpassung der Bestell- und Liefermengen, die Kostenreduktion oder die zielgerichtete Auswahl von Lieferanten.
  • Materialwirtschaft und Lagerhaltung:
    An dieser Stelle sind Lieferanten zu bewerten, die Lieferkette sicherzustellen, der Wareneingang zu optimieren und die Varianten der Lagerung zu überblicken.
  • Fertigungsprinzipien:
    Auch ein kurzer Exkurs in die Produktion gehört laut Rahmenplan zum Bereich der Logistik.
  • Transport:
    Die Bewegung von Rohstoffen, Waren, aber auch Abfällen innerhalb des Betriebs und zu bzw. von externen Partnern sollte ebenfalls auf deiner Lernliste stehen.
  • Rechtliche Aspekte:
    Abschließend wird in der Logistik verlangt, dass du dir rechtliche Grundkenntnisse aneignest, wie zum Beispiel die Incoterms, Regelungen zu Lieferrisiken und -kosten sowie Aspekte aus dem Zollrecht und rund um Kaufverträge.

Marketing und Vertrieb

Der vorletzte Handlungsbereich behandelt die verschiedenen Wege, wie ein Unternehmen seine Produkte bestmöglich vermarkten und verkaufen kann. Dabei umfasst der Abschnitt „Marketing“ zwei größere Bereiche:

  • Strategisches Marketing:
    Dazu gehören insbesondere die Marktanalyse und verschiedene Modelle wie die Portfolio-Matrix oder der Produktlebenszyklus.
  • Operatives Marketing:
    Die Inhalte dieser Kategorie lassen sich am besten mit den klassischen vier P des Marketings zusammenfassen, dazu gehören die Preis-, Produkt-, Distributions- und Kommunikationspolitik des Unternehmens. Diese Themen sind in der Regel auf einen konkreten Fall anzuwenden.

Zu den zentralen Inhalten im Vertrieb gehören vor allem folgende Aspekte:

  • Vertriebsorganisation
  • Vertriebscontrolling
  • Außenhandel

Ergänzt wird das Spektrum abschließend mit einigen rechtlichen Aspekte, zum Beispiel Markenrecht, Wettbewerbsrecht, Kartellrecht und Verbraucherschutz.

Führung und Zusammenarbeit

Zum Ende des IHK-Rahmenplans findet sich der Handlungsbereich „Führung und Zusammenarbeit“, der eine ganze Reihe verschiedener Inhalte umfasst. Sie betreffen die interne und externe Kommunikation sowie Zusammenarbeit mit Mitarbeitern, Kollegen, Geschäftspartnern etc. Die Themen werden in diese Kategorien eingeteilt:

  • Zusammenarbeit, Kommunikation und Kooperation:
    Dazu gehören etwa verschiedene Führungsstile und -ansätze sowie der Umgang mit den Personengruppen innerhalb eines Unternehmens (z. B. Azubis, Führungskräfte oder bestimmte Charaktere).
  • Mitarbeitergespräche:
    Wie verläuft ein Mitarbeitergespräch im Idealfall? Wie gelingt die Vorbereitung und welche möglichen Fehler und Probleme sind zu berücksichtigen?
  • Konfliktmanagement:
    Hier geht es um die Ursachen von Konflikten, deren Ausprägungen und die Suche nach Lösungen im Sinne des Unternehmens.
  • Mitarbeiterförderung:
    An dieser Stelle werden die Inhalte von der Potenzialanalyse bis zur Umsetzung von konkreten Maßnahmen abgedeckt.
  • Ausbildung:
    Die Aufnahme und Betreuung von Azubis bringt zahlreiche Fragestellungen mit sich, etwa zu den rechtlichen Grundlagen oder zur erfolgreichen Vermittlung fachlicher Inhalte.
  • Moderation von Projektgruppen:
    Wie sollte eine Projektgruppe zusammengestellt werden, um maximalen Erfolg zu haben? Wie gelingt die Leitung der Teilnehmer? Welche Charaktere müssen berücksichtigt werden?
  • Präsentationstechniken:
    Hierbei sollst du (theoretisch) zeigen, dass du eine Präsentation vorbereiten und ansprechend gestalten kannst, um die relevanten Inhalte erfolgreich zu vermitteln.

Bei all diesen Inhalten gilt wieder, dass die Umsetzung in der Regel anhand eines fiktiven Praxisbeispiels erfolgt. Wenn du alle Themen beherrscht und das Wissen auf die Realität übertragen kannst, steht einer erfolgreichen Prüfung der „Handlungsspezifischen Qualifikationen“ nichts mehr im Weg.

Basiswissen zum Wirtschaftsfachwirt IHK

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