Walter Trummer ist ein echter Weiterbildungsprofi. Seit 25 Jahren leitet er erfolgreich die Privatakademie Carriere&more, die sich auf IHK-Weiterbildungen spezialisiert hat, und ist noch länger als Prüfer für die IHK aktiv – obwohl er die Schule nach der 9. Klasse ohne Abschluss verlassen hatte.

Ich konnte Walter Trummer für ein Experteninterview gewinnen, um ihm ein paar spannende Einblicke und Tricks zu entlocken. Walter hat nicht nur hilfreiche Tipps parat, wie man sich motiviert und erfolgreich lernt, sondern hat auch verraten, wie man sich in der Abschlussprüfung verhalten sollte, um die Prüfer zu beeindrucken.

Walter, Du hast eine wahnsinnig spannende Biographie und bist einen weiten Weg bis zum Weiterbildungsexperten gegangen. Bitte stell Dich den Lesern kurz vor.

In der Schule war ich mit vielen Dingen beschäftigt, nur nicht mit dem Schulstoff. Die 8. Klasse durfte ich wiederholen, am Ende der 9. Klasse war dann meine Versetzung erneut gefährdet. Man hat mir angeboten, nach den Ferien eine Nachprüfung zu machen, bei mir war die Luft aber vollständig raus. Heute würde ich sagen, ich war ausgebrannt von den vielen Misserfolgen und wollte nur noch weg.

Nach der Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel und dem Aufstieg zum Filialleiter eines Lebensmittelsupermarktes habe ich mich gefragt, ob das schon alles gewesen sein soll, was ich in meinem Leben erreichen kann. So begann mein Einstieg in die Erwachsenenbildung, zunächst als Teilnehmer.

Trotz der Rückschläge in der Schule bist Du Dein Leben lang dem Bereich der Bildung und Weiterbildung treu geblieben. Was fasziniert Dich so sehr daran?

Am meisten fasziniert mich, wenn ich Menschen, die wie ich keinen tollen Schulabschluss haben, zeigen kann, was alles in ihnen steckt. Und die Freude meiner Lehrgangsteilnehmer über das Erreichte motiviert mich immer wieder aufs Neue.

Du hast schon vielen durch die unterschiedlichsten IHK-Weiterbildungen geholfen. Hast Du ein paar Expertentipps, wie man bei der großen Auswahl die richtige Weiterbildung findet?

Als Erstes würde ich darauf achten, dass es sich um eine anerkannte Weiterbildung handelt. Alle Weiterbildungen mit öffentlich-rechtlicher Prüfung erfüllen diesen Anspruch. Das sind zum Beispiel Weiterbildungen, die mit „IHK“ enden.

Dann ist noch wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, was man aufgrund seiner Vorbildung machen kann und vor allem, wo man beruflich hin will. Ein Beispiel: Ein Kaufmann im Einzelhandel könnte sowohl einen Handelsfachwirt IHK als auch einen Wirtschaftsfachwirt IHK machen. Für beide Prüfungen erfüllen Einzelhandelskaufleute die Zulassungsvoraussetzungen.

Wenn ich meine berufliche Zukunft vor allem im Handel sehe, z. B. als Filialleiter, Bezirksleiter oder Außendienstmitarbeiter eines Herstellers, dann ist der Handelsfachwirt genau das Richtige.

Möchte ich aber nach der Weiterbildung andere berufliche Wege gehen, dann ist der Wirtschaftsfachwirt, der inhaltlich breitere Themen abdeckt, die richtige Wahl.

Ich empfehle jedem, der eine Weiterbildung anstrebt, sich genau zu informieren. Seriöse Weiterbildungsanbieter bieten diese Beratung am Telefon oder bei Infoveranstaltungen kostenlos an.

Bei Dir war die Weiterbildung erst nach dem Betriebswirt, also der höchsten IHK-Weiterbildungsstufe, abgeschlossen. Würdest Du diesen Weg empfehlen oder kann auch eine Weiterbildung auf Fachwirt-Level ausreichend sein?

Das kommt immer auf den Einzelfall an. Generell bietet der höchste Abschluss auch die besten Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten. Viele Beispiele zeigen aber, dass auch ein Fachwirt ein echter Karrierebooster sein kann. Es kommt eben immer darauf an, was man daraus macht.

So eröffnet der Fachwirt den Zugang zu Hochschulen. Mit dem Fachwirt erwirbt man, wie bei einem Fachabitur das Recht, zu studieren. Und das Beste ist, dass man bereits ECTS-Punkte, die sogenannten Credits (das sind Arbeitseinheiten, die man für bestimmte Abschlüsse nachweisen muss) angerechnet bekommt!

Wie hast Du Dich während der Schulzeit und der Weiterbildung motiviert? Gerade nach dem Schulabbruch warst Du sicherlich am Boden zerstört. Wie bist Du wieder auf die Beine gekommen?

Naja, während der Schulzeit hat es ja mit der Motivation nicht wirklich funktioniert. Und während der Ausbildung waren die Anforderungen der Berufsschule nicht so hoch.

Ausgangspunkt für meine Motivation in der beruflichen Weiterbildung waren zwei Dinge: einmal wollte ich mir selbst beweisen, dass ich noch mehr kann, als das, was in meinem Zeugnis steht.

Und dann habe ich als junger Filialleiter eine beunruhigende Beobachtung gemacht: Es gab keine Filialleitungen, die älter als 40 Jahre waren. Ich habe dann herumgefragt und erfahren, dass die älteren Kollegen alle ausgeschieden sind, weil sie es körperlich oder nervlich nicht mehr gepackt haben. Diesem Schicksal wollte ich entgehen, was dank der Weiterbildung zum Handelsfachwirt auch gut geklappt hat.

Walter Trummer während des Unterrichts
Seit vielen Jahren ist Walter Trummer in der Weiterbildung aktiv. Seine Kursteilnehmer glänzen regelmäßig mit überdurchschnittlichen Prüfungsergebnissen.

Lass uns ein wenig über die verschiedenen Lernmethoden sprechen. Schließlich gibt es von Mindmaps über ABC-Listen bis hin zur Loci-Methode zahlreiche Varianten, sich den Stoff einzuprägen. Welche Lernmethode ist Dein persönlicher Favorit?

Ich persönlich mag zwei Methoden besonders: einmal das Mind-Mapping, weil es Zusammenhänge in einer bildlichen Struktur, die das Gehirn gut aufnehmen kann, zeigt. Ich bereite mir heut noch alle komplexeren Themen an denen ich arbeite, oder die ich verstehen will, als Mind-Map auf.

Und dann mag ich noch besonders Audiobooks. Das liegt wohl daran, dass ich ein auditiver Typ bin. Ich habe mir damals die Inhalte auf Kassette gesprochen und zur Wiederholung immer wieder angehört. Das hat bei mir sehr gut funktioniert.

Mal abgesehen von der Lernmethodik, was sind Deine drei besten Lerntipps, damit das Gelernte auch im Kopf bleibt?

Unabhängig vom Lerntyp kann ich folgende Empfehlungen geben: Unbedingt dafür sorgen, dass man beim Lernen nicht abgelenkt wird. Auf dem Schreibtisch sollten nur Sachen zum aktuellen Thema liegen, das Smartphone sollte nicht in Sicht- und Hörweite sein.

Nach dem Lernen für 30-45 Minuten möglichst entspannen, damit das Gehirn die Inhalte gut abspeichern kann. Man könnte kochen, die Bügelwäsche erledigen oder um den Block laufen.

Was absolut schädlich ist – das ist inzwischen wissenschaftlich bewiesen – sind Videospiele oder Internetgames. Sie lösen in unserem Gehirn Emotionen aus, die das Gelernte wieder überschreiben.

Und dann sollte man alles, was man lernt, in seine Arbeitswelt übertragen. Wo in meiner Firma findet das statt? Wo habe ich das schon mal erlebt? Wer in meiner Firma oder bei meinen Bekannten hat damit beruflich zu tun? Immer dann, wenn wir die Themen, die wir lernen wollen, in unsere Welt übertragen können, speichern sich die Inhalte dauerhaft ab.

Im Idealfall drehen wir einen inneren Film zu diesen Themen. Wir erkennen dann, wozu das Gelernte nutzt, das Abstrakte wird damit praktisch, das steigert dann nochmal zusätzlich die Motivation.

Lass uns noch über eine konkrete Lerntechnik sprechen, die viele während der Weiterbildung beschäftigt. Was hältst Du von Lerngruppen? Unverzichtbar oder eher schädlich?

Da gibt es leider keine allgemein gültige Antwort. Es gibt Für und Wider. Dafür spricht, dass man sich gegenseitig unterstützen kann. Jeder hat andere Stärken. Auch der soziale Druck, sich an einem bestimmten Tag zu treffen, kann hilfreich sein, den inneren Schweinehund zu überwinden.

Dagegen spricht, dass die Gefahr groß ist, dass die Treffen schnell unproduktiv werden können, weil man über andere Dinge quatscht, als über den Stoff und sich gegenseitig ablenkt.

Letztendlich ist es auch eine Typfrage. Es gibt Menschen, die brauchen die Gesellschaft, andere lernen lieber allein.

Du hast für Deine eigene Weiterbildungsakademie das sogenannte eva-Lernsystem entwickelt. Das Verfahren basiert auf der Suggestopädie und dem Mentaltraining. Was genau bedeutet das? Und was kann man für seine Weiterbildung daraus mitnehmen? Immerhin weisen die Teilnehmer Deiner Kurse eine überdurchschnittliche Bestehensquote auf.

eva steht für erfassen, verarbeiten, anwenden. Unsere Lernskripte sind ähnlich wie Mind-Maps strukturiert, so dass das Gehirn die Inhalte schnell aufnehmen kann. In eine vorgegebene Struktur tragen unsere Teilnehmer Schlüsselbegriffe ein, die wir gemeinsam im Unterricht erarbeiten. Durch das Diskutieren und anschließende Schreiben entsteht im Gehirn ein nachhaltiger Eindruck.

Alle Teilnehmer bekommen den gesamten Stoff außerdem noch auf einer MP3 CD. Somit können sie beim Joggen, Bügeln, Chillen bequem die Inhalte wiederholen. Und das Wiederholen ist die Mutter des erfolgreichen Lernens!

Dann gibt es noch für jeden Kurs ca. 800-1000 Lernkarteikarten, die den Stoff in Frage und Antwort aufteilen. Viele kennen das sicher aus der Schule vom Vokabellernen. Diese Lernkarteikarten gibt es sowohl auf Papier als auch als Lernapp für das Smartphone, mit dem vor allem unsere jüngeren Teilnehmer besonders gerne arbeiten.

Und dann machen wir noch nach der Mittagspause Lernspiele. Hier wird spielerisch, gerne auch im Wettbewerb der Stoff nochmal mit Spaß und Freude wiederholt.

Das alles sorgt dafür, dass unsere Teilnehmer schneller prüfungsfit sind und tatsächlich mit überdurchschnittlichen Bestehensquoten abschließen. Wir haben an unserem Standort in Augsburg gerade zwei Betriebswirtekurse in Folge mit einer 100% Bestehensquote geschafft. In Nürnberg haben wir gerade in einem Kurs für Personalfachkaufleute drei Meisterpreisträger, in Hessen kommt der Landesbeste von carriere & more.

Diese tollen Leistungen unserer Teilnehmer machen uns stolz und zeigen eindrucksvoll, dass unsere Vorgehensweise richtig ist.

Was ist Dein Highlight-Tipp gegen Prüfungsangst? Wie kann ich den Prüfungsstress etwas vermindern?

Klingt jetzt blöd – ist aber so: Vorbereitung, Vorbereitung, Vorbereitung. Je besser man sich vorbereitet hat, zum Beispiel durch alte Prüfungsfragen oder das Übungsbuch von Modulearn, umso gelassener kann man in die Prüfung gehen.

Stress lässt sich, wie im Spitzensport auch, durch autogenes Training zusätzlich reduzieren. Ich empfehle meinen Teilnehmern, sich zwei Wochen vor der Prüfung in der Phantasie den Prüfungsablauf genau vorzustellen. Dadurch entsteht so etwas wie Gewöhnung für unser Unterbewusstsein an die Prüfungssituation. Und alles, was für uns zur Gewohnheit wird, stresst nicht mehr so sehr.

Und noch ein ganz wichtiger Tipp: Unbedingt am Prüfungsort von allen anderen Prüflingen fernhalten! Deren Stress überträgt sich schnell auf einen selbst.

Du sagst selbst von Dir, dass Du eine kleine Rampensau bist und gerne vor Leuten sprichst. Leider geht das nicht jedem so und viele haben Schwierigkeiten mit der mündlichen Prüfung. Wie kann man sich am besten auf das Fachgespräch vorbereiten?

Auch hier gilt wieder: möglichst oft üben! Zunächst sollte man seine Präsentation gut ausarbeiten und dann vor dem Spiegel oder noch besser vor der Videokamera performen. Das hilft, Routine zu bekommen und man kann sich selbst bei der Präsentation beobachten. Im anschließenden Fachgespräch beziehen sich die Fragen dann auf die Präsentation. Fast schon ein Heimspiel!

Wenn man eine Frage nicht richtig verstanden hat, einfach den Prüfer bitten, die Frage umzuformulieren. Oft helfen einem die Prüfer auch, auf die Lösung zu kommen.

Wenn man mal gar keinen Plan hat, dann darf man das auch offen zugeben. Das wirkt auf jeden Fall besser, als wenn man um ein Thema herumeiert und jeder merkt, dass man doch nichts weiß.

Und wenn man sich in einem Thema gut auskennt: reden, reden, reden bis man Sie stoppt. Und denken Sie daran: In Ihrem Beruf erklären Sie auch ständig Kollegen oder Kunden etwas. Sie können es also!

Ich bin selbst seit über 30 Jahren in verschiedenen Prüfungsausschüssen tätig und kann jedem Leser garantieren, dass sich jeder Ausschuss über eine bestandene Prüfung fast genauso freut wie der Prüfling! Der Ausschuss ist den Prüflingen grundsätzlich immer wohlgesonnen.

Vielen Dank für Deine Tipps, Walter!

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